Nur zwei Läufe standen für die Hürdensprinter bei den Deutschen Meisterschaften in Dresden auf dem Programm – Halbfinale und Finale. Da musste man gleich im ersten Lauf schon hellwach sein und das Optimum herausholen. Genau jenes gelang Florian Näbelung. So schnell wie noch nie kam er in 14,19 Sekunden durch den Hürdenwald und buchte das direkte Finalticket, wo er keinen optimalen Lauf erwischte und dennoch Rang fünf belegte.
Die Atmosphäre elektrisierend, die Begeisterung greifbar – das Heinz-Steyer-Stadion wie geschaffen für sportliche Gänsehautmomente. Für die Hürdensprinter standen nur zwei Rennen im Programm – Halbfinale und Finale. Umso mehr hieß es für diese Athleten bereits im Halbfinale Vollgas zu geben, um den Endlauf zu erreichen. Genau solch ein Rennen über 110 Meter Hürden hatte sich Florian Näbelung (LC Jena) gewünscht – und gebraucht: seine alte Bestzeit von 14,35 Sekunden war nach dem Halbfinale Geschichte. Der 20-Jährige verbesserte sich schon deutlich auf 14,19 Sekunden. „Es war genauso wie man es wollte. Mit guter Bestzeit und dem Finalticket mit einem großen „Q“. Ich brauchte solch ein Rennen einfach mal für den Kopf. Nach dem es bei der U23-DM nicht so prickelnd für mich lief. Darum habe ich viel auf meinem Start bei der DM gesetzt. Die Arbeit, das Training der letzten vier Wochen hat sich absolut ausgezahlt“, resümierte er nach seinem schnellen Auftakt.
Einen der absoluten Topfavoriten Manuel Mordi (Hamburger SV) hatte er direkt neben sich. Das war ebenfalls ein großes Plus auf seinem Weg zu einer neuen Bestzeit.“Am Anfang hat er mich noch richtig viel mitgezogen, aber wenn ein Olympia-Teilnehmer neben dir läuft, da merkst du schon ab der vierten Hürde, dass er wegzieht. Man muss in dem Moment einfach bei sich bleiben und trotzdem hinterherlaufen, auch wenn er da schon fünf Meter vor dir ist“, sagte Florian Näbelung, der im Rennen ebenso die andere Konkurrenz leicht im Augenwinkel sah. „Ich wusste, neben mir die beiden waren für mich die größte Konkurrenz auf das große „Q“ – und sie waren beide hinter mir.“
Florian Näbelung beherzigt Worte seines Trainers
Als Zweiter überquerte der Jenaer die Ziellinie und wusste sogleich, ich stehe im Finale. Während die Konkurrenz noch zittern musste. „Das war ein sehr guter Lauf. Für einen Vorlauf überragend“, freute sich der Schützling von Trainer Rico May über die weiteren Fortschritt. Sein Trainer hatte ihm über den Tag beruhigende Worte mit auf den Weg gegeben. „Mein Trainer hat sich darauf fokussiert, dass ich über den Rest des Tages locker bleibe. Daran haben wir gearbeitet. Er kam immer zu mir rüber und sagte: bleib locker, bleib locker.“ Jene Worte hatte sein Schützling in diesem Lauf mehr als beherzigt „Wenn ich zu verkrampft bin, dann will ich immer zu viel. Wenn man zu viel will, dann wird es nichts.“
Für das Finale hatte er sich nochmal eine Zeit im Bereich seiner alten Bestzeit vorgestellt. Also unter 14,35 Sekunden. „Dann weiß ich, das war nicht nur ein einmaliger Ausrutscher.“ Doch es sollte einen Faktor geben, der keine weiteren Spitzenzeiten zuließ. Der tückische Gegenwind. Der eben auch einen Florian Näbelung ordentlich aus dem Konzept brachte. „Es war wirklich so, Start und dann kam die Böe. Du warst direkt in der Hüfte tief. Je tiefer der Körperschwerpunkt ist, umso höher musst du abspringen“, erklärte der DM-Finalist. Im Detail beschreibt er den Rennverlauf so: „Dadurch bin ich über die erste Hürde sehr weit geflogen, dann kam die zweite, wo ich zu nah dran war und musste schon hoch drüber springen. Da war es von der Geschwindigkeit, die man aus dem Startblock mitnimmt, bereits erledigt. Hinten raus lief es dann wieder super und ich konnte meine Endgeschwindigkeit gut ausspielen.“ Er wurde in 14,37 Sekunden Fünfter – ein Topresultat zum Saisonabschluss.
Off-Season in Dänemark
Nun wartet anderer Wind auf ihn. Eine gehörige Meeresbrise an der Ostseeküste Dänemarks. „Dort könnte man mal laufen, man muss nur die Hürden mitnehmen“, scherzte Florian Näbelung, der jetzt einfach mal abschalten kann. Und dann nicht überlegen muss, ob es sich lohnt noch weiterzumachen. Er ist auf dem richtigen Weg. Das haben ihm die Resultate in Osterode und Dresden mit den Bestzeiten eindrucksvoll vor Augen geführt. „Es lohnt sich absolut. Es sind nicht irgendwelche kleinen Schritte mit ein, zwei Hundertstel, jetzt waren es fast zwei Zehntel. Es ist einfach schön zu sehen, dass da noch mehr möglich ist.“
Nach diesem mehr als versöhnlichen Saisonabschluss lässt es sich umso schöner in die Off-Season starten. Dennoch wagt der Lehramtsstudent bereits einen kleinen Ausblick ins nächste Jahr: „Das große Ziel wird sein unter 14 Sekunden zu laufen. In der Halle will ich ins Finale kommen und da endlich unter acht Sekunden kommen.“ Bisher ließ sich der Sport und sein Studium gut miteinander vereinen. Und solange wie das mit seinem Studium funktioniert, „mache ich das mit dem Sport weiter“. Damit er weiterhin auch auf der großen DM-Bühne zeigen kann, was er drauf hat.




