DM: Braunschweig als Sprungbrett nach Tokio

Die Jagd beginnt: auf die Tickets für die Olympischen Spiele in Tokio. Die Weichen dafür werden am kommenden Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig gestellt. Und mit Julian Reus und Martin Grau peilen zwei TLV-Athleten einen Olympia-Startplatz an. Gemeldet sind zehn Thüringer Athleten, der Start von Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler ist indes noch fraglich. Eingebettet sind die nationalen Titelkämpfe in die Finals.

Er ist die Konstante im deutschen Sprint: Julian Reus (Top Team Thüringen). Der 33-Jährige hat in den vergangenen Wochen gut trainiert. „Julian ist gut in Schuss. Er kann um eine Medaille mitlaufen. Das ist ein realistisches Ziel“, sagt sein Trainer Tobias Schneider. Favorit auf den Titel ist Marvin Schulte. Der 22-jährige Leipziger führt mit 10,21 Sekunden die deutsche Bestenliste an. Natürlich will auch Julian Reus ins Titelrennen eingreifen. Der deutsche Rekordler und Trainingspartner von Luis Brandner hat in der bisher jungen Saison 10,38 Sekunden zu Buche stehen. Allerdings ist klar: In Braunschweig werden die Karten neu gemischt. Der Fokus bei Julian Reus liegt auf den 100 Metern, die 200 Meter sind optional.

Luis Brandner mit Doppelstart

Luis Brandner peilt bei der DM in Braunschweig einen Doppelstart an. Der Erfurter ist für 100 und 200 Meter gemeldet. Und pünktlich vor den nationalen Titelkämpfen gab der 20-Jährige Entwarnung: „Die Adduktoren machen keine Probleme mehr“, so Luis Brandner. Eine leichte Verletzung vor zwei Wochen hatte ihn beim Meeting in Dessau vorzeitig aus dem Rennen genommen. Dank der großartigen physiotherapeutischen Behandlung durch Torsten Rocktäschel ist der U23-Sprinter für die DM einsatzfähig.

Zunächst stehen am Samstag die 100 Meter auf dem Programm. Auf der kürzesten Sprintstrecke rangiert Luis Brandner mit 10,41 Sekunden auf Platz elf der Meldeliste. Um einen Platz im Finale zu ergattern, muss wahrscheinlich eine Steigerung her. „Das Finale ist auf jeden Fall mein Ziel. Ich denke, dass ich das mit einem guten Rennen schaffen kann“, sagt der Sprinter mit einer Bestzeit von 10,36 Sekunden.

Exakt zwei Jahre und fünf Tage nach seinem letzten 200-Meter-Rennen nimmt Luis Brandner am Sonntag in Braunschweig wieder die „lange Kurzsprintdistanz“ in Angriff. Möglich macht es eine Sonderstartgenehmigung. Die Bestzeit des 20-Jährigen steht (noch) bei 21,12 Sekunden. Eine Steigerung in Braunschweig soll her. „Denn auch über 200 Meter ist mein Ziel das DM-Finale“, so Luis Brandner. Das Erfurter Sprint-Trio komplettiert Aleksandar Askovic, der sich Schritt für Schritt weiterentwickeln soll. Gerade was seine Zeit betrifft. „Wenn er im Bereich von 10,40 Sekunden läuft und technisch sauber, dann wäre wir sehr zufrieden. Die Endlaufteilnahme wird eine Mammutaufgabe“, blickt Tobias Schneider voraus.

Kein DM-Start für Julian Wagner, junge Mittelstreckler peilen Finale an

Aus dem schnellen Erfurter Sprintquartett fehlt Julian Wagner. Der Überflieger der Hallensaison kämpfte mit Verletzungsproblemen, trainiere aber laut Tobias Schneider seit zwei Wochen wieder planmäßig. Der Aufbau ist auf eine „Late Season“ mit internationalen Rennen und dem ISTAF in Berlin ausgelegt. Das Thema Olympische Spiele ist für den Youngster aber erledigt.

Über die Mitteldistanz von 800 Meter sind Tobias Rex (Top Team Thüringen) und Alina Schönherr (SV Schmölln) gemeldet. Für beide ist das Ziel, den Endlauf zu realisieren. Im Vorjahr ist dieses schon Tobias Rex gelungen. Mit einem schnellen Rennen kann seine Saisonbestleistung von 1:50,24 Minuten dann auch schon wieder Geschichte sein. „Die Konkurrenz ist bei ihm sehr stark. Das Grundziel ist in die Top 8 zu laufen“, sagt Enrico Aßmus. Nach zuletzt ein paar gesundheitlichen Problemen läuft es bei Alina Schönherr wieder etwas besser. Hoffnung gibt die gute Abschlusseinheit.

Haupziel von Lukas Peter: Finale

Auf den letzten Drücker ist Lukas Peter (LC Jena) auf den DM-Zug aufgesprungen. Wenngleich der Fokus für den Langhürdler weiterhin auf der U23-DM in Koblenz liegt. „Nachdem Lukas im letzten Jahr keinen Freiluftwettkampf absolvieren konnte, hat er nun endlich wieder eine Zeit in den Listen stehen. Obwohl er mit seiner Zeit von 51,94 Sekunden an Platz vier in Deutschland steht, ist das Hauptziel das Finale zu erreichen. Sollte er die Zeit von Berlin noch einmal bestätigen können, ist das bestimmt drin“, sagt Trainer Rico May, der mit seinem Schützling noch am richtigen Rhythmus feilte.

„Läuferisch ist Lukas so fit wie noch nie. Wir basteln ständig am Rhythmus und versuchen das günstigste Rennszenario zu bauen. Deshalb wird es auch die Aufgabe im Halbfinale sein, den besprochenen Rhythmus zu laufen. Wenn er das tut, ist er so stark, dass dann auch eine gute Zeit dabei herauskommt.“ Das Selbstvertrauen dafür ist da, was er sich zuletzt mit einer Topzeit in Berlin geholt hat.

Hoffnung auf schnelles Hindernisrennen, Röhler-Start im Speerwurf fraglich

Richtig schnell soll es für die Hindernis-Männer über 3.000 Meter werden. Der Start bei der Team-EM ist für Martin Grau abgehakt. Der volle Fokus galt nun den nationalen Titelkämpfen, wo er eine gute Rolle im Kampf um die Medaillen mitspielen möchte. Enrico Aßmus hofft mit der Konkurrenz auf ein schnelles Rennen, weil es geht auch um wertvolle Punkte in Richtung Olympische Spiele. „Diese Punkte können alle Männer noch gut gebrauchen“, weiß der Hindernis-Bundestrainer um die Aufgabe. Für reichlich Qualität in der Erfurter Trainingsgruppe sorgt auch Patrick Karl (TV Ochsenfurt), der sich in einer guten Verfassung befindet und wie Martin Grau um einen Medaillenplatz kämpft.

Mit Speerwerfer Johannes Vetter (LG Offenburg) fehlt der Topfavorit auf den deutschen Meistertitel. Er wolle im Hinblick auf seine Oberschenkel-Beschwerden kein Risiko eingehen und sagte seinen DM-Start ab. Ein anderer ist indes noch fraglich. Nämlich der von Thomas Röhler (LC Jena). Der Olympiasieger kämpfte zuletzt mit einer Muskelverhärtung im Rücken. Seinen Saisoneinstieg in Dessau musste er deshalb verschieben. Nun könnte in Braunschweig der Auftakt folgen.

Zwei andere sind schon richtig gut in die Saison gestartet. Maurice Voigt (LG Ohra Energie) reist mit einer Bestmarke von 76,65 Meter in die „Löwenstadt“. Er könnte ebenso in den Medaillenkampf mit eingreifen wie Tom Meier (LC Jena), der zuletzt mit konstant guten Leistungen auf sich aufmerksam machte. -sam/PM-