Braunschweig, Tag 1: Silberner Auftakt durch Speerwerfer Thomas Röhler

Zum Auftakt der Deutschen Meisterschaften in Braunschweig hat Speerwerfer Thomas Röhler für die erste Thüringer Medaille gesorgt. Die Medaille glänzte silbern. Beim historischen Rekordrennen von Owen Ansah über 100 Meter wurde Julian Wagner Siebter. Im Weitsprung bestätigte Kevin Brucha seinen Hausrekord, der ihm Rang vier bescherte. Ebenfalls Rang vier für DM-Debütant Cedric Spieß im Hochsprung.

Ein silberner Auftakt: Dafür sorgte Speerwerfer Thomas Röhler (LC Jena). Bereits beim Einwerfern herrschte fantastische Stimmung auf den Rängen, als die Zuschauer jeden weiten Versuch bejubelten und beklatschten. Diese Stimmung übertrug sich auf die Athleten, die richtig viel Spaß in der Kurve versprühten. Allen voran der EM-Zweite Julian Weber (USC Mainz), der mit einer starken Serie glänzte. Seinen weitesten Versuch zeigte er im letzten Versuch mit 86,63 Meter. Fast zehn Meter lagen zwischen ihm und den Zweitplatzierten Thomas Röhler (LC Jena), der auf 76,84 Meter kam und das Olympia-Ticket verfehlte. Dafür hätte der 33-Jährige 85,50 Meter werfen müssen. Die Bedingungen empfand Thomas Röhler für alle sehr fair.

„Man wünscht sich immer mehr. Viele und ich haben von den Olympischen Spielen geträumt. Man muss realistisch bleiben. Es ist eine gute Saison gewesen - mit Blick auf alles, was davor war. Ich haben einen riesigen Fortschritt gemacht", sagte Thomas Röhler, der in dieser Saison ein neues Gefühl kennenlernte. "Das erste Mal in meiner Karriere habe ich mich in einem Wettkampf richtig schlimm geärgert. In Italien habe ich den Wurf schlechthin übergetreten. Das wäre wenigstens die EM gewesen. Dennoch habe ich viel gelernt in diesem Jahr. Dass man sich aus jedem Loch irgendwie rauszerren kann“, resümierte Thomas Röhler.

Doch viel wichtiger war ihm noch zu sagen: „Meinem Körper geht es gut. Das ist das Wichtigste für die Zukunft und den Speerwurf. Ehrlich gesagt, ich hatte heute Spaß da draußen.“ Nicht zufrieden über seine Leistung war Maurice Voigt (LG Ohra Energie). Mit 71,34 Metern hatte er es in den Endkampf geschafft, in dem er sich nicht weiter steigern konnte und Rang sieben belegte.

Julian Reus verliert Deutschen Sprint-Rekord

Magischer wie historischer Moment über 100 Meter: Dafür sorgte Owen Ansah (Hamburger SV) im Finale. Erstmals stürmte ein deutscher Sprinter unter der magischen 10-Sekunden-Marke. Der 23-Jährige verbesserte den achtjährigen Deutschen Rekord vom ehemaligen Erfurter Topsprinter Julian Reus um zwei Hundertstelsekunden auf 9,99 Sekunden. „Ja, das war irre. Das sei ihm [Owen] gegönnt“, freute sich Julian Wagner mit seinem Disziplinkollegen sowie engstem Freund.

Diese Leichtigkeit fehlte Julian Wagner (LC Top Team Thüringen), der sich zwar über drei Runden kämpfte, aber die guten Trainingsleistungen nicht im Wettkampf abrufen konnte. In 10,41 Sekunden kam er als Siebter ins Ziel. Bei ihm eher Ernüchterung: „Mir hat das Rennen gezeigt, dass ich nichts drauf habe. Besser gesagt, ich bin noch nicht da, wo ich hingehöre. Ich hätte mir eine Zeit von 10,20 Sekunden zugetraut, und die wäre möglich gewesen. Wir müssen analysieren, woran es gelegen hat.“

Eine mächtige Wackelpartie war der Einzug ins Finale, das hatte er als von zwei Zeitschnellsten erreicht. „Für mich war der Einzug ein kleines Trostpflaster nach den vergangenen Wochen mit den Aufs und Abs. Ich habe gut trainiert, sehr gute Trainingswerte gehabt. Besser hätte ich vorbereitet dieses Jahr hier nicht hinfahren können. Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen. Das ist nicht ganz so aufgegangen. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen nochmal die Chance habe, mich ein bisschen besser von der Zeit her zu platzieren.“

Nicht über den Vorlauf über 100 Meter kam Marlene Körner (LC Top Team Thüringen) hinaus. Für die U23-Sprinterin waren 11,72 Sekunden zu wenig, um in die nächste Runde einzuziehen.

Kevin Brucha stellt Weitsprung-Bestmarke ein

Kevin Brucha (LC Jena) kniete auf der blauen Bahn, die Hände über den Kopf geschlagen: Der letzte und sechste Versuch im Weitsprung hatte Potenzial für eine neuen Hausrekord. Doch schnell schnippe die rote Fahne für ungültig in die Luft. Kevin Brucha konnte es nicht glauben. Er hatte nochmal alles reingehauen in diesen Versuch, aber am Ende trat er mit der Schuhspitze über. Aufmunternde Worte gab es von seiner Trainerin Ksenija Balta, die seit fast einem Jahr an seiner Seite ist.

Im Vorfeld hatte Kevin Brucha gestrotzt vor Selbstbewusstsein. „Das liegt an meiner Trainerin, dem Training, was wir gemacht haben und den Trainingsleistungen, die einfach dafür sprechen, dass es wie im letzten Versuch hätte sehr weit gehen können. Es waren zwei Millimeter, ansonsten wäre der Sprung Silber gewesen. Das ist der Sport und ich habe nächste Woche in Mönchengladbach die nächste Möglichkeit“, resümierte Kevin Brucha.

Seinen weitesten Versuch zeigten er in Runde zwei mit Einstellung seiner Bestleistung auf 7,68 Meter, der ihn sogar zwischenzeitlich auf den zweiten Rang brachte. Doch zwei Athleten sollten noch weiter springen: Luka Herden (LG Brillux Münster; 7,79 m) und Maximilian Entholzner (LG Stadtwerke München; 7,74 m). „Der Sprung auf 7,68 Meter war nicht gut. Ich war überrascht, dass er so weit ging. Mittlerweile habe ich mich in diesem Bereich gut stabilisiert. Der Sprung wird kommen, da bin ich mir sicher“, zeigte er sich hoffnungsvoll.

Unglücklicher Sturz von Robin Müller

Bei seiner DM-Premiere kam Cedric Spieß (Erfurter LAC) im kleinen erlesenen Hochsprungfeld auf Rang vier. Dafür reichten ihm 2,00 Meter, die er im ersten Versuch übersprang. „Dieser Sprung war relativ knapp, aber die Latte blieb liegen“, berichtete Cedric Spieß. Die ersten beiden Versuche über 2,05 Meter „daran muss man noch ein bisschen arbeiten“. Im letzten Versuch bekam er die rechte Wade nicht ganz drüber. „Das war ein kleiner Timingfehler.“ Eingestiegen war er bei 1,95 Meter, der Sprung gab richtig Hoffnung. Die anfängliche Anspannung wich allmählich. „Man hat schon beim Aufstehen ein wenig mehr die Nervosität gespürt, aber das Einspringen verlief richtig gut. Meine erste Aktiven-DM, ich bin Vierter. Damit kann man recht zufrieden sein“, zog er ein positives Fazit.

Völlig fertig rauschte Robin Müller (LC Top Team Thüringen) durch die Mixed-Zone. Zuvor war er über 3.000 Meter Hindernis gestartet. Er beendete das Rennen in 9:12,25 Minuten als Elfter. Ein Sturz bei 600 Metern verhinderte ein besseres Rennen. „Das war sehr unglücklich. Er hat danach nie wieder richtig ins Rennen reingefunden. Es ist unterm Strich enttäuschend, weil die Zeit einfach zu weit weg war von seiner persönlichen Bestleistung [8:43,42 min]. Das kann er dann in einer Woche bei der U23-DM wieder geraderücken“, sagte sichtlich hörbar niedergeschlagen sein Trainer Enrico Aßmus.

Nach seinem DM-Debüt in der Halle knüpfte Hürdensprinter Florian Näbelung (LC Jena) im Sommer daran an und startete erstmals bei einer Freiluft-DM der Aktiven, wo er allerdings nicht über das Halbfinale hinauskam. Dafür lief das Rennen nicht optimal, das er in 14,64 Sekunden beendete. Ebenfalls als DM-Neuling startete Alina Sophie Böhm (LC Jena) über 400 Meter Hürden. Sie blieb in 60,84 Sekunden etwas über ihrer bisherigen Bestzeit. -sam-

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