Die Entwicklung des Thüringer Leichtathletik-Verbandes nach seiner Neugründung 1990

Am 19. September 1990 wurde in der Sportschule Bad Blankenburg von 70 Delegierten der drei Thüringer Bezirke Erfurt, Gera und Suhl der Thüringer Leichtathletik-Verband (TLV) gegründet und damit der Beitritt zum Deutschen Leichtathletik-Verband vorbereitet. Zur ersten Präsidentin wurde Gudrun Löffler, die bisherige Vorsitzende des Bezirksfachausschusses Gera, gewählt. Die neue Satzung wurde einstimmig verabschiedet. Sportfreunde aus allen drei Regionen übernahmen Aufgaben in den Kommissionen des TLV. In den ersten Jahren nach der Gründung lagen die Aufgaben des Verbandes im Aufbau und der Festigung seiner inneren Strukturen. Alle Verbandsmitglieder mußten lernen, sich mit einer Verbandssatzung auseinanderzusetzen und diese zu akzeptieren, regelt sie doch alle Belange des Verbandes. Daß dies auch nach fast neun Jahren TLV noch immer nicht ganz einfach ist, erleben wir bei mancher Satzungsverletzung.

Die Zeit der Wende brachte auch für manchen Leichtathtetikenthusiasten eine berufliche Neuorientierung und größere arbeitszeitliche Belastungen mit sich, so daß gerade im für unseren Sport so wichtigen Ehrenamt manche Lücke klaffte. Um so wichtiger war es trotz allem, schnellstens eine leistungsbezogene Sportstruktur im Verband zu installieren und nach dem "Ausbluten" unserer Vereine bis ins Jahr 1992 wieder Spitzen- und Anschlußleistungen im Leistungssport vorzuweisen.

 

Erfahrene Athleten wie Heike Drechsler und Hartwig Gauder prägten am Beginn der 90er Jahre die Thüringer Erfolgsbilanzen bei internationalen Wettkämpfen. Heikes Olympiasieg, Welt- und Europameistertitel in den Jahren 1992 bis 1994 waren Ansporn und Beispiel für eine große Anzahl Nachwuchsathleten, in den folgenden Jahren über ihr bisheriges Potential hinauszuwachsen. Nils Schumann, der schon 1996 den Deutschen Jugendmeistertitel über 800 m auf seiner Erfurter Hausbahn erkämpfte, schloß im Folgejahr den Junioreneuropameistertitel an und setzte sich 1998 im Erwachsenenbereich durch. Auch Falk Balzer konnte seine Leistungsentwicklung in den letzten Jahren kontinuierlich fortsetzen und zählt heute zu den Top-Hürdensprintern der Welt.

Leistungskader wie Anja Rücker, Anja Knippel, Melanie Schulz vertreten die Thüringer Farben ebenso erfolgreich wie zahlreiche leistungsstarke Junioren und Jugendliche. Zu ihnen zählen unter anderem Steffen Otto, Andreas Pohle und Milan Stojanivic. Ausgezeichnete Trainings- und Umfeldbedingungen an den beiden Landesleistungszentren in Jena und Erfurt und die dadurch möglichen Erfolge bestätigten, daß der Verband den "richtigen" leistungssportlichen Weg eingeschlagen hat.

 

Als erster Ausrichter einer Deutschen Meisterschaft in den neuen Bundesländern zeigte sich der TLV auch 1994 in Erfurt auf organisatorischem Gebiet fit - vielen Besuchern blieben die Meisterschaftstage lange in Erinnerung. Nach den Deutschen Jugendmeisterschaften 1996 am gleichen Ort wird Erfurt im Juli 1999 erneut zum Magnet für Athleten und Besucher - im Steigerwaldstadion werden, die Titel der 99. Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen vergeben. Andere hochkarätige Thüringer Meetings komplettieren seit Jahren das vielfältige Wettkampfangebot und lassen Spitzensport "vor der Haustür" erlebbar werden.

Die Entwicklung des TLV wurde entscheidend durch die kameradschaftliche Hilfe von solchen Sportfreunden wie Erwin Sichmann (Hessen), Hartmut Schweitzer (Bayern) und Hans Motzenbäcker (Baden) mit beeinflußt. Ihnen verdankt unser Landesverband die gute Integration in den DLV.

 

Aber ebenso wichtig war das Finden von Partnern und Förderern für die Sicherung der Entwicklung des Verbandes sowie den Ausbau seiner Attraktivität in allen Bereichen und für alle Altersklassen. Daran besonders beteiligt waren bisher: Techem AG & Co als Generalsponsor des Verbandes, Köstritzer Schwarzbierbrauerei, Deutsche Telekom AG Erfurt, Zeitungsgruppe Thüringen, Leisslinger Mineralbrunnen, AVS Autohof Gera, Sparkasse Erfurt, Coca-Cola Weimar.

 

Auch auf dem Gebiet des Breitensports, vor allem in der Laufbewegung, ist es uns seit Beginn der 90er Jahre gelungen, sowohl die Breite dieser Bewegung zu vergrößern, als auch die Qualität der Laufveranstaltungen stark zu verbessern.

Feste Sponsoren, die sich seit Jahren in der Laufszene engagieren, machen dies erst möglich. Auch nach der zweiten Amtsperiode schätzt das Präsidium des TLV - im Gegensatz zur Festigung der leistungssportlichen Strukturen - die Mitgliederentwicklung und die Belebung der Seniorenleichtathletik in Thüringen nur als "in Ansätzen gelungen" ein - unser Landesverband besitzt noch keine Mitgliederzahl in fünfstelliger Höhe.

 

Für die kommenden Jahre muß ein Hauptaugenmerk im Verband auf die weitere Stabilisierung der Verbandsmitglieder - und das sind die Vereine - gerichtet sein.