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15.04.2017

Kugelstoßerin Luise Weber hat die 16-Meter-Marke im Visier

Erfurts Kugelstoßerin Luise Weber will im Sommer erstmals die Marke von 16 Meter knacken.

Wöchentlich erscheint im FreienWort/Südthüringer Zeitung eine DM-Serie über Thüringens Leichtathleten, die bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt (8./9. Juli) an den Start gehen werden. Wir möchten die Athleten an dieser Stelle ebenfalls vorstellen: Kugelstoßerin Luise Weber (ASV Erfurt)

 

Rund 35 Kilometer östlich von Berlin befindet sich das Bundesleistungszentrum Kienbaum. Ruhig gelegen am Liebenberger See. Die Anlage bietet den Spitzenathleten optimale Bedingungen, um sich auf die bevorstehenden Höhepunkte vorzubereiten. In die Oase der Ruhe sucht Luise Weber im einwöchigen Trainingslager den richtigen Dreh. Schließlich soll bei der Kugelstoßerin vom ASV Erfurt beim saisonalen Höhepunkt - den Deutschen Meisterschaften in Erfurt (8./9. Juli) - eine 16 vor dem Komma stehen.

Ihre Bestmarke steht bei 15,98 Metern. Aufgestellt bei der DM 2013 in Ulm. Damit die 4-Kilo-Kugel demnächst über 16 Meter fliegt, wird intensiv an der Drehstoßtechnik gefeilt. Diese kommt der kleinen, etwas kraftvollen Athletin sehr entgegen. Gleiten, Wechselschritt oder drehen? Ausprobiert hat die 25-Jährige alle drei Bewegungsformen. "Der Bundestrainer hat mir empfohlen, mich im Drehstoßen zu probieren. Ich hatte nichts zu verlieren. Ich bin sehr zufrieden, dass ich den Schritt gegangen bin. Es ist schön, wenn man immer wieder was Neues probiert und sich dort weiterentwickeln kann", sagt die ehrgeizige Athletin.

Dieses Weiterentwickeln ist für Weber aber manchmal gar nicht so leicht. Seit Jahresbeginn arbeiten sie und ihr Trainer Richard Debuch an Details. "Wir haben meine Technik etwas verändert. Ich bin nun in der Stoßauslage viel tiefer mit dem linken Arm, um mehr Weg zu haben." Weber tut sich weiterhin schwer. Erst spät, nämlich 2008 kam sie zum Kugelstoßen - durch Zufall. Ihr Vater hatte sich verwählt. "Ich wollte gern zum Volleyball, weil ich mich eher als Mannschaftstyp sah. Mein Papa rief stattdessen beim damaligen Leichtathletik-Landestrainer Burkhard Looks an und vereinbarte ein Probetraining. Ich bin hin, aber Herr Looks wollte mich nicht. Er hat mich an Herrn Debuch weitergeleitet, der sofort sagte, dass er mich behält."

Mit 16 Jahren erfüllt sich ihr sportlicher Traum - die Leichtathletik öffnete ihr die Tür zum Sportgymnasium. Nach dem Abitur folgte ein Lehramtsstudium für die Grundschule in Erfurt. Ihre Hauptfächer sind Mathe, Deutsch, Heimat- und Sachkunde, Schulgarten ist Nebenfach. Lehrerin zu werden, das war keinesfalls ihr Traumberuf. "Ich wollte mehr in Richtung Physiotherapie oder Fitnessstudio gehen, bis Mitschüler meinten, ich könnte gut mit Kindern umgehen. Daraufhin habe ich einige Praktika an Grundschulen gemacht und wusste, das ist meins." Ihr Abschlusssemester an der Uni hat gerade begonnen - Abgabe der Masterarbeit ist am 10. Juli, ein Tag nach den nationalen Meisterschaften.

"Ich hoffe, dass ich alles vor den Deutschen Meisterschaften fertig habe. Ich bin ein Kopfmensch und will beruhigt in den Wettkampf gehen." Parallel zum Studium wird trainiert und an Wettkämpfen teilgenommen. Der Saisoneinstieg ist für den 21. April beim heimischen Werfermehrkampf geplant. "Ich bin ein Typ, der die Abwechslung und die Mehrbelastung braucht", betont die sympathische Athletin, die es abseits des Rings ebenfalls abwechslungsreich mag. Oft besucht sie andere Veranstaltungen wie jüngst ein Spiel der Zweitliga-Basketballer der Oettinger Rockets in der Erfurter Messehalle. Daheim in Großrudestedt wartet Mischlingshund Damon, der für entspannte Auszeiten sorgt.

Wenn jetzt so langsam die Frühlingssonne die Nase kitzelt, frönt sie eine weitere Leidenschaft. Die für ihren Chopper, eine gemütliche Maschine, die ihr ein Gefühl von Freiheit gibt. "Ich fahre unheimlich gern Motorrad. Für mich gibt es nichts Schöneres, wenn ich auf meiner Maschine sitze und mal ein paar Stunden weg bin. Einfach raus, um den Kopf frei zu bekommen. Ich fühle mich in dem Moment einfach freier." Auch frei für neue Pläne. So steht für Weber in diesem Jahr noch ein Umzug nach Erfurt bevor. Wenngleich sie noch gar nicht weiß, wie es nach ihrem Studium weitergeht. Sie möchte gern in Thüringen, in der Nähe ihrer Familie bleiben. "Mit Thüringen verbinde ich meine Familie, die Landschaft, die Leichtathletik. Es ist der Sport, der mir sagt, bleib hier. Der Verein ist mir unheimlich ans Herz gewachsen", schwärmt sie über ihre sportliche Heimat. Der Sport gibt ihr mittlerweile so viel, dass sie sich entschieden hat, nun etwas zurückzugeben. Die C-Lizenz als Trainerin ist in Vorbereitung. "Ich will irgendwann in die Fußstapfen meines Trainers treten", verrät die zielstrebig arbeitende Kugelstoßerin.

Von ihm kann sie viel lernen. Ebenso wie beim nationalen Höhepunkt in Erfurt. Die Zusammenarbeit beschreibt Weber als harmonisch. "Wir haben wirklich ein gutes Trainer-Athleten-Verhältnis." Schon jetzt ist bei Weber eine gewisse Vorfreude auf ihr Heimspiel zu spüren. "Es werden viele Freunde und die Familie dabei sein. Es wäre total schön, wenn ich mein Ziel von 16 Metern + X und den Endkampf erreichen könnte." Auf ihrem Weg zu den fünften Meisterschaften bei den Aktiven muss sie zuvor eine Hürde überspringen: die DM-Norm (15,00 m). Steht sie dann am 9. Juli (13.30 Uhr) im Ring, gilt es das alles abzurufen, was sie sich zuvor mit ihrem Trainer erarbeitet hat.

 

Tickets für die DM in Erfurt: www.leichtathletik.de/termine/top-events/dm-2017-erfurt/tickets/