Geschichte
Thüringer Leichtathletikgeschichte(n) vom Beginn bis zum Ausklang unseres Jahrhunderts
Von den Anfängen der Leichtathletik in Thüringen
"...so daß ein gewisser Wagemut dazu gehörte, sich an den Veranstaltungen zu beteiligen."
Die Deutsche Sportbehörde für Athletik (DSB), der 1898 gegründete nationale Leichtathletikverband, existierte bereits das sechste Jahr, als im Juli 1904 in Erfurt erstmals eine Thüringer Meisterschaft in der Leichtathletik ausgetragen wurde. Im Rahmen des Endspiels um die Thüringer Fußballmeisterschaft und verschiedener Radrennen wurde der "Meisterläufer von Thüringen" gesucht. Fünf Starter maßen ihre Kräfte über die Strecke von 1000 m, hinzu kam ein 4x100 m Stafettenlauf. Der vorliegende Pressebericht unterstreicht zum einen die "Geburtshelferrolle", die in Thüringen der Fußballsport für die Leichtathletik spielte. Zum anderen verweist die Bemerkung, "daß ein gewisser Wagemut dazu gehörte, sich an den Veranstaltungen zu beteiligen," auf die primitiven materiellen Voraussetzungen, unter denen die Pioniere der Leichtathletik agierten.
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Entwicklung von 1918 bis 1945
Karl Hähnel (Turnverein Ilversgehoven) - erster Thüringer auf dem Meistertreppchen
Nachdem der blutige erste Weltkrieg vielen talentierten Leichtathleten das Leben oder die Gesundheit gekostet hatte, kam es nach Kriegsende, trotz der schwierigen ökonomischen Lage sowie anhaltender innen- und außenpolitischer Konflikte zu einem raschen Wiederbeginn. des Sports. Wesentliche Bedingungen dafür waren die demokratischen und sozialpolitischen Errungenschaften der Weimarer Republik, die auch mit der Überwindung obrigkeitsstaatlicher Moralvorstellungen verbunden waren. "Allerorts geht es mit Riesenschritten voran", hieß es im "Athletik-Jahrbuch" 1921 zur Entwicklung der Leichtathletik im VMBV im Laufe des Jahres 1920. Im Vergleich zu 1919 hatte sich die Zahl leichtathletischer Veranstaltungen in Mitteldeutschland von 376 auf 523 erhöht, die Teilnehmerzahl von 12401 auf 25395 mehr als verdoppelt. Von 11 nationalen Wettkämpfen fanden 3 in Thüringen statt, in Erfurt, Jena und Apolda.
Die Zentren der Leichtathletik befanden sich weiterhin in den Großstädten. Hier wurden zuerst moderne Sportstätten gebaut, die führenden Vereine konnten sich auf eine breite Massenbasis stützen und Fachkräfte als Trainer und Übungsleiter einsetzen. Doch auch die "Provinz" war von dem allgemeinen Sportboom der zwanziger Jahre erfaßt. Der Drang nach Sportstätten nahm zu, die Verbreitung neuer Trainingsmethoden über die Sportpresse, Lehrbücher und Verbandslehrgänge förderte das Leistungsstreben und die Aussicht für Talente, zu sportlichem Erfolg zu kommen.
Leichtathletik im Land Thüringen und in den thüringischen Bezirken der DDR (1945-1990)
Thüringer Meisterschaften 1948 und Ostzonenmeisterschaften 1949 und der Ehrgeiz der Stadt Jena, Sportmetropole Thüringens zu werden
Der zweite Weltkriegs hatte für den Sport verheerende Folgen. Zahlreiche Athleten waren gefallen, zum Krüppel geworden oder befanden sich noch in Gefangenschaft. Die Sportstätten verfielen oder wurden zweckentfremdet genutzt. Hunger und Not ließen ein planmäßiges Training nicht zu. Restriktive Verordnungen der sowjetischen Besatzungsmacht unterbanden bis zum Frühjahr 1948 den Aufbau landesweiter Sportstrukturen, und im Unterschied zu anderen Sportarten, wie Fußball, Handball und Kegeln, blieb in der Leichtathletik das Wettkampfwesen völlig unterentwickelt.
Am 14./15. August 1948 wurden in Jena die ersten Thüringer Leichtathletikmeisterschaften nach dem Ende des zweiten Weltkriegs ausgetragen. Als Veranstalter traten der im Juli 1948 gegründete Landessportausschuß Thüringen und seine Leichtathletiksparte hervor. Unter den 199 Gemeldeten befanden sich viele bekannte und gestandene Athleten, wie z.B. Siegfriede Dempe, Margot Kirchner, Horst Schlegel und Erika Junghanns (alle Jena), aber auch jüngere Aktive wie die erfolgshungrigen Erfurter Heinz Birkemeyer, Gerhard Schmolinsky und Gerhard Brauch. Nicht zufällig setzten sich vor allem diejenigen Sportgemeinschaften führend in Szene, in denen bereits 1946/47 der Wiederaufbau der Leichtathletik eingesetzt hatte, die SG "Ernst Abbe" Jena, die SG "Otto Schott" Jena und die SG Erfurt-Nord. Von den 30 bei den Landesmeisterschaften vergebenen Titeln, 20 bei den Männern und 10 bei den Frauen, blieben 16 in Jena, je 8 bei der SG "Ernst Abbe" und bei der SG "Otto Schott". Nur Erfurt mit 7 Titeln konnte der Jenaer Übermacht etwas entgegensetzen. Bei den Ostzonenmeisterschaften in Chemnitz gewannen die Thüringer sechs Titel, u.a. Heinz Birkemeyer im 100-m-Lauf, Erika Junghanns im Weitsprung und die 4x100-m-Frauenstaffel der SG "Ernst Abbe" Jena.
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Die Entwicklung des Thüringer Leichtathletik-Verbandes nach seiner Neugründung 1990
Am 19. September 1990 wurde in der Sportschule Bad Blankenburg von 70 Delegierten der drei Thüringer Bezirke Erfurt, Gera und Suhl der Thüringer Leichtathletik-Verband (TLV) gegründet und damit der Beitritt zum Deutschen Leichtathletik-Verband vorbereitet. Zur ersten Präsidentin wurde Gudrun Löffler, die bisherige Vorsitzende des Bezirksfachausschusses Gera, gewählt. Die neue Satzung wurde einstimmig verabschiedet. Sportfreunde aus allen drei Regionen übernahmen Aufgaben in den Kommissionen des TLV. In den ersten Jahren nach der Gründung lagen die Aufgaben des Verbandes im Aufbau und der Festigung seiner inneren Strukturen. Alle Verbandsmitglieder mußten lernen, sich mit einer Verbandssatzung auseinanderzusetzen und diese zu akzeptieren, regelt sie doch alle Belange des Verbandes. Daß dies auch nach fast neun Jahren TLV noch immer nicht ganz einfach ist, erleben wir bei mancher Satzungsverletzung.
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Die Spartakiadebewegung der DDR
Auf der XII. Tagung des Bundesvorstandes des DTSB der DDR am 26. März 1964 in Berlin wurde der Beschluß zur Einführung der Kinder- und Jugendspartakiaden in der DDR verabschiedet. In diesem Beschluß wurde festgelegt, daß "1965 in allen Bezirken Jugendspartakiaden durchgeführt werden, in denen die Nachwuchssportler gemeinsam mit ihren Übungsleitern und Funktionären Rechenschaft ablegen über die Ergebnisse des Trainings." Für 1966 wurde die I. Zentrale Kinder- und Jugendspartakiade der DDR in diesem Beschluß angekündigt. Es heißt in diesem Beschluß außerdem: "Wir wenden uns deshalb an das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport , an das Ministerium für Volksbildung, an die Freie Deutsche Jugend und die Pionierorganisation 'Ernst Thälmann', uns nach besten Kräften zu unterstützen."

